Colosso di San Carlo Borromeo (Sancarlone)
Man steht am Ufer des Lago Maggiore, schaut hinüber zur grünen Hügelkuppe über Arona – und plötzlich ragt da eine menschliche Gestalt aus den Bäumen. Riesig. Ruhig. Aus Bronze und Kupfer. Der Arm gehoben, als würde er die Stadt segnen oder einfach nur sagen: Hier bin ich. Wer von der Seepromenade aufblickt, braucht einen Moment, bis das Gehirn begreift, was es gerade sieht.
Geschichte
Es war das späte 17. Jahrhundert, der Barock auf seinem Höhepunkt, und die Familie Borromeo wollte ihren heiliggesprochenen Verwandten Carlo Borromeo, Erzbischof von Mailand und Volksheiliger, auf eine Art würdigen, die niemand übersehen konnte. Der Bildhauer Giovan Battista Crespi, genannt il Cerano, lieferte den Entwurf, ausgeführt wurde die Kolossalstatue ab 1614 von den Bildhauern Siro Zanella und Bernardo Falconi. Das Ergebnis: eine 23 Meter hohe Figur aus getriebenem Kupfer auf einem 12 Meter hohen Sockel. Weniger bekannt ist die Inschrift am Sockel-Eingang – knapp, fast lakonisch, als hätte die Familie keine Worte gebraucht.
Erleben
Wochentags früh am Morgen, kurz nach der Öffnung um 9 Uhr, ist man hier oft allein. Kein Bus auf dem Parkplatz, kein Gedränge auf der engen Treppe im Inneren. Das Licht trifft die kupferne Oberfläche dann flach und warm, lässt jede Niete sichtbar werden, jede Schweißnaht. Man begreift plötzlich: Das ist kein Guss. Das ist Handarbeit, Platte für Platte. Im Inneren führt eine Wendeltreppe durch Dunkel nach oben – in die Augen der Figur.
Insider-Tipp
Die wenigsten wissen, dass man bis in den Kopf der Statue steigen kann. Durch die Nasenöffnungen fällt Licht herein. Man schaut aus den Augen des Heiligen über den Lago Maggiore, sieht die Borromäischen Inseln, die Hügel Richtung Schweiz. Diesen Ausblick zeigt kein Reiseführer als Foto, weil er sich nicht fotografieren lässt – zu eng, zu schräg, zu persönlich. Wer bis oben klettert, trägt ihn als Bild im Kopf nach Hause, nicht auf dem Handy.
Besuchstipp
Keinen Audioguide mitnehmen – der Weg hinauf zur Statue dauert zwanzig Minuten zu Fuß durch Kastanienwälder, und dieser Spaziergang ist Teil der Erfahrung. Danach unbedingt hinunter in die Altstadt von Arona: ein Espresso bei einem der kleinen Bars direkt am See, Blick zurück auf die Hügelkuppe. Von unten sieht die Figur schon wieder anders aus.
Häufige Fragen
Kann man den Colosso di San Carlo Borromeo (Sancarlone) wirklich von innen besteigen?
Ja, und zwar komplett bis in den Kopf. Eine enge Wendeltreppe führt durch den Sockel und den Körper der Figur nach oben. Im Kopf angekommen blickt man durch die Augen und Nasenöffnungen auf den Lago Maggiore. Für Menschen mit Platzangst oder eingeschränkter Mobilität ist das nichts – die Treppe ist sehr eng und steil.
Wann hat der Colosso di San Carlo Borromeo (Sancarlone) geöffnet und was kostet der Eintritt?
Geöffnet ist er von April bis Oktober, in der Hochsaison täglich ab 9 Uhr. Der Eintritt für Erwachsene liegt bei wenigen Euro, der Innenaufstieg ist im Ticket enthalten. Im Winter bleibt die Statue geschlossen. Die genauen Zeiten sollte man vorab auf der Website der Gemeinde Arona prüfen, da sie sich saisonal verschieben.
Wie komme ich am besten zum Colosso di San Carlo Borromeo (Sancarlone) – und lohnt sich Arona für einen ganzen Tag?
Mit dem Zug von Mailand in unter einer Stunde, Bahnhof Arona liegt direkt am See. Von dort sind es zwanzig Minuten zu Fuß bergauf durch einen schattigen Weg. Für die Statue selbst plant man zwei Stunden ein. Der Rest des Tages gehört dem Seeufer, dem Marktplatz und – wenn man ein Boot mietet – dem Blick zurück auf die Hügelkuppe, auf der er steht.
Bildnachweise