Tomba del Petrarca
Ein Katze schläft auf dem warmen Pflaster. Zwei alte Männer reden laut über nichts Wichtiges. Ein Kind läuft um den roten Marmorsarkophag, als wäre er ein ganz normales Hindernis auf dem Schulweg. Genau das ist das Erstaunliche an diesem kleinen Platz in Arquà Petrarca: Einer der bedeutendsten Dichter des Mittelalters liegt hier einfach so mitten im Dorf, und das Leben geht ohne Rührung um ihn herum.
Büste Francesco Petrarcas auf seinem Grabmonument in Arquà Petrarca © RanZag, CC BY-SA 3.0
Geschichte
Francesco Petrarca starb 1374 in diesem Dorf, den Kopf auf ein Buch gestützt, wie die Legende will. Er selbst hatte sich Arquà als letzten Wohnort gewählt – weit weg vom Lärm Paduas. Zunächst wurde er in der Dorfkirche bestattet. Sein Schwiegersohn Francescuolo da Brossano ließ den Sarkophag aus rotem Veroneser Marmor errichten, der noch heute steht. Im Geist der Renaissance ehrte man den Dichter als neuen Klassiker, vergleichbar den Alten. Der Sockel trägt eine lateinische Inschrift – verfasst von Petrarcas Neffen Giampietro.
Erleben
Morgens gehört der Platz den Einheimischen. Eine Frau kauft Brot, jemand öffnet den Laden gegenüber. Um die Mittagszeit kommt Stille. Die Sonne trifft den Marmor direkt, das Rot wird tiefer, fast orange. Abends sitzen Jugendliche auf den Stufen – nicht wegen Petrarca, einfach weil es dort kühl ist. Wer genau hinschaut, bemerkt dann die Inschrift am Sockel im langen Schatten: Sie lässt sich plötzlich leichter lesen als am Mittag.
Insider-Tipp
Die Einheimischen laufen selten zur Vorderseite des Sarkophags. Sie kennen die Rückseite: Dort fehlt der touristische Blickwinkel, die Fotoperspektive ist unbequem, aber das Licht am späten Nachmittag fällt so, dass die Maserung des roten Marmors regelrecht leuchtet. Wer außerdem die kleine Gasse links hinter dem Platz hinaufgeht, findet nach zwanzig Metern einen Brunnen mit Blick auf die Euganäischen Hügel – kein Schild weist darauf hin.
Besuchstipp
Komm kurz vor Sonnenuntergang. Setz dich auf die steinerne Bank links vom Sarkophag, Richtung Hügel. Das Licht wird dann golden, der rote Marmor glüht kurz auf, die Katzen wachen auf. Die Bar am Platzrand serviert einen Spritz für zwei Euro. Bestell ihn, lehn zurück, und überleg: Petrarca hat von diesem Hang aus dieselben Hügel gesehen. Das macht den Stein plötzlich sehr nah.
Häufige Fragen
Ist die Tomba del Petrarca das ganze Jahr zugänglich?
Ja. Der Sarkophag steht frei auf der Piazza Francesco Petrarca und ist ohne Öffnungszeiten zugänglich. Arquà Petrarca selbst ist ein kleines Dorf – außerhalb der Sommermonate ist es sehr ruhig, was den Besuch jedoch intensiver macht.
Lohnt es sich, die Tomba del Petrarca mit dem Besuch seines Wohnhauses zu kombinieren?
Unbedingt. Das Casa del Petrarca liegt nur wenige Minuten zu Fuß entfernt. Dort steht die ausgestopfte Katze des Dichters unter Glas – das klingt kurios, trifft aber einen seltsam. Zusammen dauert beides kaum zwei Stunden.
Gibt es an der Tomba del Petrarca erklärende Informationen vor Ort?
Spärlich. Eine Tafel erklärt die Grundfakten auf Italienisch und Englisch. Wer mehr will, sollte vorab die lateinische Inschrift am Sockel recherchieren – sie stammt von Petrarcas Neffen und ist kein Standardtext, sondern persönlich formuliert.
Bildnachweise