Villa Cordellina Lombardi
Im Eingangsraum schaut kaum jemand zur Decke. Dabei hängt dort, zwischen vergoldeten Stuckkehlen und verblassten Putti, der Beweis dafür, dass Giambattista Tiepolo hier nicht einfach einen Auftrag abarbeitete, sondern ein ganzes kosmologisches Programm malte. Die Allegorien der vier Erdteile wirken aus nächster Nähe fast skizzenhaft – roh, fast nachlässig. Drei Meter Abstand, und plötzlich atmet die ganze Komposition.
Geschichte
Carlo Cordellina war Anwalt, nicht Adeliger. Er hatte Geld, aber keinen alten Namen. Als der Barock in Venetien seinen letzten großen Atem holte, beauftragte er 1735 Giorgio Massari – denselben Architekten, der später die Gesuati-Kirche in Venedig vollenden würde – mit einem Bau, der standesgemäß wirkt, ohne anmaßend zu sein. Massari entwarf eine klare Fassade, flankiert von Nebenflügeln. Tiepolo bekam die Fresken, sein Sohn Giandomenico lieferte Teile der Dekoration.
Erleben
Von außen ist die Villa streng: weißer Putz, glatte Rustika, wenig Ornament. Das Piano nobile täuscht Zurückhaltung vor. Dann tritt man durch die Türschwelle und die Decken drücken nach oben. Der Salone centrale hat eine Höhe, die man dem Bau von außen nicht ansieht. Tiepolos Freskenhimmel öffnet sich genau dort, wo Morgenlicht durch die östlichen Fenster auf den hellgrauen Terrazzoboden trifft und die Farben der Allegorien von unten anleuchtet.
Insider-Tipp
Stell dich auf der Via Lovara etwa fünfzig Meter nördlich der Einfahrt auf, leicht schräg zur Mittelachse. Von dort sieht man, wie die Nebenflügel das Hauptgebäude rahmen, ohne es zu erdrücken – eine Komposition, die Massari aus dem Gleichgewicht hätte kippen können und es nicht tut. Die Rückseite zur Gartenachse hin zeigt einen formal gestutzten Parkstreifen, der in der Nachmittagshitze fast geometrisch wirkt, wie ein Plan, dem man beim Wachsen zuschaut.
Besuchstipp
Komm um neun Uhr morgens, bevor die Gruppen aus Vicenza eintreffen. Der Salone liegt dann im Gegenlicht, und Tiepolos Wolken scheinen selbst zu leuchten, nicht beleuchtet zu werden. Der Innenhof zwischen den Flügeln öffnet an regulären Besuchstagen frei – dort steht man im Schatten und schaut auf eine Fassade, die im Gegenlicht ihre ganze Tiefe zeigt.
Häufige Fragen
Kann ich die Fresken von Tiepolo in der Villa Cordellina Lombardi ohne Führung sehen?
Ja, an den offiziellen Öffnungstagen – meist Frühling bis Herbst, Sonntag und nach Voranmeldung – ist der Hauptsaal mit den Fresken zugänglich. Eine Führung ist nicht zwingend, aber ein lokaler Custode steht oft bereit und zeigt Details, die man alleine übersieht.
Wie komme ich zur Villa Cordellina Lombardi, wenn ich kein Auto habe?
Von Vicenza mit dem Zug nach Montecchio Maggiore, dann etwa zwanzig Minuten zu Fuß oder per Taxi auf der Via Lovara. Die Adresse lautet Via Lovara 36 – kein Busanschluss direkt vor Ort, aber die Strecke vom Bahnhof führt durch Rebzeilen, was die Ankunft selbst schon zum Erlebnis macht.
Wann ist die Villa Cordellina Lombardi geöffnet, und muss man eintreten bezahlen?
Die Villa gehört der Provinz Vicenza und ist saisonal geöffnet, meist März bis November an Sonntagen sowie zu Sonderveranstaltungen. Der Eintritt ist gering oder gelegentlich frei. Eine Vorabanfrage bei der Provincia di Vicenza lohnt sich, da die Zeiten variieren und manche Tage nur auf Anmeldung zugänglich sind.
Bildnachweise