Parco Naturale Regionale dei Monti Sicani
Der Thymian riecht hier anders. Schärfer. Fast harzig. Du stehst auf einem Bergrücken über Bivona, der Wind kommt aus dem Süden, und er bringt Wildkräuter mit, die sich seit Jahrtausenden in diese Kalksteinfelsen gearbeitet haben. Kein Stadtlärm. Kein Motorengeräusch. Nur das trockene Rascheln von Adlerfarn und, wenn du Glück hast, das ferne Pfeifen eines Steinadlers, der über den Sicani-Gipfeln seine Kreise zieht.
Geschichte
Die Sicani waren das älteste Volk Siziliens. In der Antike lebten sie in diesen Bergen, lange bevor Griechen oder Römer die Küste besetzten. Sie hinterließen kaum Schrift, aber Spuren: Felsritzungen, Terrakottafunde, Opferplätze auf exponierten Kuppen. Die arabischen Siedler im Mittelalter legten dann die ersten Bewässerungssysteme in die Täler. Der Ortsname Bivona selbst ist arabischen Ursprungs. Jeder Stein hier trägt zwei, drei Vergangenheiten gleichen übereinander.
Erleben
Im April explodiert das Plateau. Wildorchideen stehen zwischen Felsen, Pfingstrosenfelder öffnen sich in Lichtungen, die kaum jemand kennt. Im Juli brennt alles goldbraun, die Luft steht, und die Stille ist fast körperlich spürbar. Geh morgens los. Vor neun Uhr liegt das Licht flach über den Tälern, und die Schatten der Eichen zeichnen lange Streifen auf die Weidewege. Gegen Mittag gehört das Gelände den Ziegen.
Insider-Tipp
Einheimische aus Bivona fahren im Frühjahr gezielt zum Bosco di Santo Stefano, einem alten Eichenwald im Parkinneren. Sie gehen nicht für Sport. Sie gehen für Stille und manchmal für Pilze. Der Pfad ab der Contrada Santo Stefano ist kaum markiert, führt aber durch alten Bestand mit Bäumen, die drei Meter Stammumfang erreichen. An Wochentagen triffst du dort niemanden. Bring ein Messer mit, falls du im Herbst Kräuter oder Pilze findest.
Besuchstipp
Feste Schuhe sind Pflicht, kein Witz. Die Kalksteinwege werden nach Regen spiegelglatt. Plane mindestens einen vollen Tag ein, lieber zwei. Im Mai oder Oktober reisen. Stell dir vor: Du sitzt auf einem Felsvorsprung über dem Tal von Santo Stefano Quisquina, Käse und Brot aus Bivona in der Hand, und kein Dach ist in Sichtweite.
Häufige Fragen
Gibt es im Parco Naturale Regionale dei Monti Sicani ausgeschilderte Wanderwege, die auch ohne Guide begehbar sind?
Ja, aber die Beschilderung ist lückenhaft. Am verlässlichsten markiert ist der Rundweg um Monte Carcaci. Lade vor der Tour die Tracks von Wikiloc herunter, Suchbegriff "Monti Sicani". Ein lokaler Guide aus Bivona ist für Touren abseits der Hauptwege empfehlenswert.
Welche Tiere kann ich im Parco Naturale Regionale dei Monti Sicani tatsächlich sehen?
Steinadler kreisen regelmäßig über den Kämmen, am frühen Morgen sichtbar. Wildkatzen leben im Park, zeigen sich aber selten. Sicherer sind Greifvögel, Rebhühner und im Frühling Zugvögel in den feuchten Talmulden nahe Bivona.
Wie komme ich ohne Auto in den Parco Naturale Regionale dei Monti Sicani?
Ohne eigenes Fahrzeug ist es schwierig. Bivona liegt an der SS189, Busverbindungen nach Agrigent existieren, aber die Parkeingänge selbst sind von dort nicht zu Fuß erreichbar. Ein Mietwagen ab Agrigent oder Palermo ist die praktischste Lösung.
Bildnachweise