Spiaggia di Marinella di Selinunte
Der Schwefel riecht man nicht – aber fast. Was man riecht, ist Salz. Dichtes, schweres Mittelmeersalz, das der Westwind vom Meer herüberträgt. Unter den Füßen knirscht grober Sand. Keine Beschallung. Kein Cocktailshaker. Nur das Brechen der Wellen und hinter dir, auf dem Hügel, die stummen Säulen von Selinunt. Das ist keine Strandidylle aus dem Katalog. Das ist etwas völlig anderes.
Küstenlandschaft bei Marinella di Selinunte, Sizilien © Massimo Frasson from Italia, CC BY-SA 2.0
Geschichte
Dieser Streifen Sand lag einmal vor den Stadttoren einer der mächtigsten griechischen Kolonien Siziliens. In der Antike, als Selinunt auf dem angrenzenden Hochplateau 25.000 Menschen ernährte, war Marinella kein Urlaubsort – es war Hafen, Handelsumschlagplatz, Lebenslinie. Phönizische Händler ankerten hier. Karthagische Schiffe griffen von See her an. 409 v. Chr. nahmen karthagische Truppen Selinunt von der Landseite ein und brachten die Stadt zum Schweigen. Der Strand darunter blieb. Das Meer blieb.
Erleben
Im Juni stehen die Tempel im ersten Licht. Der Strand ist leer. Der Sand noch kühl. Erst gegen zehn kommen die ersten Menschen aus dem Dorf, das sich direkt hinter der Düne versteckt. Im August hingegen ist Marinella ein anderer Ort – laut, voll, gut gelaunt, mit Familien die Melone essen und Kinder die ins Flache rennen. Wer die stille Version will, kommt im Mai oder im September. Dann gehört der Blick auf die Tempelruinen fast einem allein.
Insider-Tipp
Die Einheimischen aus Castelvetrano kommen nicht zum Sonnen hierher. Sie kommen abends, nach 18 Uhr, wenn die Tagestouristenbusse weg sind. Sie setzen sich an den Rand der kleinen Hafenmole, essen etwas vom Imbiss direkt an der Via Marco Polo und schauen aufs Wasser. Wenn du denselben Rhythmus übernnimmst und den Pfad nach links nimmst, Richtung Naturreservat Belice, wirst du nach zwanzig Minuten Dünenlandschaft finden, die völlig unbewohnt wirkt – obwohl du mitten in Sizilien bist.
Besuchstipp
Leichte Schuhe für den Weg zur Ausgrabungsstätte, Sonnenschutz mit hohem Schutzfaktor – der Westwind täuscht über die Hitze hinweg. Zwei Stunden Strand, eine Stunde Tempel: Das ergibt einen vollen Halbtag. Wer im Oktober kommt, erlebt etwas Besonderes: Das Abendlicht fällt schräg über die Säulen, der Strand liegt menschenleer, und das Meer leuchtet in einem Grün, das man nachher nicht mehr genau beschreiben kann.
Häufige Fragen
Ist die Spiaggia di Marinella di Selinunte auch für kleine Kinder geeignet?
Ja. Das Wasser flacht im linken Bereich des Strandes sehr langsam ab, es gibt keine Strömung die Probleme macht. Der Sand ist grobkörnig, nicht fein wie auf Urlaubskatalog-Fotos, aber fest und gut begehbar.
Kann man die Spiaggia di Marinella di Selinunte mit den Selinunt-Tempeln an einem Tag kombinieren?
Sehr gut sogar. Die Ausgrabungsstätte liegt keine 800 Meter vom Strand entfernt, erreichbar zu Fuß über den Hügelweg. Am besten zuerst die Tempel am frühen Morgen, dann hinunter zum Strand wenn die Sonne hochsteht.
Gibt es Parkplätze direkt an der Spiaggia di Marinella di Selinunte?
Es gibt unbefestigte Parkflächen nahe der Hafenmole und entlang der Via Marco Polo. Im August sind die ab 10 Uhr voll. Wer früh kommt oder das Dorf von der Hauptstraße her zu Fuß durchquert, findet problemlos einen Platz.
Bildnachweise