Belvedere di Catanzaro
Das Licht kommt zweimal am Tag. Morgens bricht es über den Sila-Hängen herein, orange und flach, und zieht über das gesamte Tal bis zum Meer. Abends zieht es sich von der anderen Seite zurück, über den Golf von Squillace, bis das Wasser glüht wie erhitztes Kupfer. Catanzaro sitzt auf einem Felsrücken zwischen zwei Flüssen. Von hier oben versteht man sofort, warum diese Stadt hier steht und nirgendwo sonst.
Geschichte
Catanzaro ist eine byzantinische Gründung, tief verwurzelt in der mittelalterlichen Epoche des Mezzogiorno. Die Piazza Roma entstand in ihrer heutigen Form während des Risorgimento, als Italiens neuer Staat auch in Kalabrien Plätze für bürgerliche Öffentlichkeit schuf. Dieser Punkt am Westende der Piazza war kein zufälliger Balkon. Er markierte die Terrasse der damaligen städtischen Macht. Offizielle kamen her, um das Land zu überblicken, das sie verwalteten. Wer kontrollierte, was er sehen konnte, kontrollierte auch, was er besaß.
Erleben
Im Winter, wenn Nebel im Corace-Tal hängt, strecken die Hügel ihre Kuppen aus einem weißen See. Morgens gegen 7 Uhr, eine Stunde nach Sonnenaufgang, liegt der Golf von Squillace im Gegenlicht und die Küstenlinie zeichnet sich scharf ab. Nach Regen wird die Luft so klar, dass man die Windmühlen auf den Hügeln südlich von Squillace einzeln zählen kann. Nach Norden hin reicht der Blick bis in die Vorberge der Sila.
Insider-Tipp
Zweihundert Meter südlich, am Ende der Via Jannoni, biegt ein kleiner Treppenweg nach links ab. Er führt auf eine unbefestigte Terrasse hinter einem alten Palazzo. Kein Geländer, kein Schild, kein anderer Mensch. Der Blick fällt direkt ins Corace-Tal, tiefer als vom offiziellen Belvedere, und ohne Absperrung dazwischen. Früh morgens sitzen dort manchmal alte Männer aus dem Viertel und trinken Kaffee aus Thermoskannen. Mit denen lässt sich reden.
Besuchstipp
Bring eine Windjacke, auch im Mai. Der Felsrücken fängt jeden Luftzug vom Meer ein. Schau auf die Wetter-App nicht für den Regen, sondern für die Windrichtung. Wenn der Wind aus Südost kommt, liegt der Golf offen und glatt wie Zinnfolie. Dann stehst du dort, das Licht im Gesicht, und verstehst warum Kalabrien zwei Meere hat.
Häufige Fragen
Wie lange sollte ich am Belvedere di Catanzaro einplanen?
Dreißig Minuten reichen, wenn du nur schaust. Eine Stunde, wenn du früh morgens kommst, Kaffee aus einer der Bars an der Piazza Roma mitbringst und wartest bis das Licht wandert. Der Wechsel von Gegenlicht zu Seitenlicht dauert keine zwanzig Minuten, aber der ist das Eigentliche.
Ist das Belvedere di Catanzaro auch abends zugänglich?
Ja, die Piazza Roma ist nicht gesperrt. Abends nach 20 Uhr ist kaum jemand dort. Das Licht über dem Golf wird dann tief rot, die Küste verliert ihre Schärfe und die Lichter der Dörfer auf den gegenüberliegenden Hügeln gehen an. Kein Eintritt, kein Ticket, keine festen Öffnungszeiten.
Wie kommt man am besten zum Belvedere di Catanzaro, wenn man kein Auto hat?
Zu Fuß vom Bahnhof Catanzaro Città sind es knapp zehn Minuten bergauf durch die Via Indipendenza. Alternativ fährt die Standseilbahn, die Funicolare, vom unteren Stadtteil Catanzaro Lido bis in die Oberstadt. Sie ist eine der wenigen noch funktionierenden städtischen Seilbahnen Süditaliens und die Fahrt selbst ist bereits ein Grund, hierherzukommen.
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