Villa Margherita
Der Jasmin schlägt einem entgegen, noch bevor man das Tor passiert hat. Im Juli riecht Catanzaro nach heißem Asphalt und Abgasen – und dann, plötzlich, nach Blüten und feuchter Erde. Die Temperatur fällt um gefühlte drei Grad, sobald man unter die ersten alten Platanen tritt. Die Stadt brüllt draußen weiter. Hier drin hört man Tauben. Kinder rufen. Einen Wasserstrahl. Die Kalabresen wissen, warum sie hierher kommen.
Geschichte
Im späten 19. Jahrhundert war Catanzaro eine Stadt auf der Suche nach Würde. Das Risorgimento hatte Italien geeint, und die neuen kommunalen Verwaltungen wollten zeigen, dass auch der Süden zivilisiert planen konnte. Der Stadtgarten wurde um 1881 angelegt – benannt nach Königin Margherita von Savoyen, die als Symbol für ein modernes, geeintes Italien stand. Er war kein Refugium für die Armen, sondern ein Versprechen der bürgerlichen Klasse an sich selbst: Wir haben einen Salon unter freiem Himmel.
Erleben
Anfang April explodiert der Garten in Rosa und Weiß. Die Wisteria hängt schwer über den alten Wegen, und das Licht fällt durch die Äste wie durch gerissenes Papier. Wer morgens um acht kommt, hat ihn fast für sich allein. Rentner mit Zeitung, ein Jogger, ein Hund. Im August mittags brennt die Hitze – aber der Schatten der hundertjährigen Platanen macht ihn auch dann erträglich. Der Abend im Juni, kurz nach Sonnenuntergang, ist die intensivste Stunde.
Insider-Tipp
Die alten Männer vom Viale De Filippis kommen täglich gegen neun Uhr morgens. Sie setzen sich auf die Bänke nahe dem kleinen Brunnen im mittleren Bereich des Parks – nicht an den Eingängen. Dort wird Karten gespielt und kaum ein Wort verloren. Wer fragt, bekommt kurze, präzise Antworten über die Stadt. Einheimische Familien nutzen den nordöstlichen Teil des Gartens am Spätnachmittag als Spielfläche – der ist auf keiner Karte eingezeichnet, aber er gehört ihnen.
Besuchstipp
Mitbringen: nichts Besonderes außer Zeit. Eine Stunde ist das Minimum, zwei die richtige Dosis. Am besten im April oder Mai – dann blüht der Garten und die Hitze drückt noch nicht. Wer eine Bank nahe dem alten Brunnen findet und sich setzt, versteht nach zwanzig Minuten, warum Catanzaro für seine Bewohner eine echte Stadt ist und nicht nur eine Durchgangsstation auf dem Weg nach Sizilien.
Häufige Fragen
Ist die Villa Margherita täglich geöffnet und gibt es Eintritt?
Der Park ist täglich kostenlos zugänglich, in der Regel von früh morgens bis in die Abendstunden. Genaue Öffnungszeiten können je nach Jahreszeit leicht variieren, aber ein abgesperrtes Tor findet man hier selten.
Lohnt sich ein Besuch der Villa Margherita auch bei Regen?
Ja – gerade dann. Die Platanen bilden ein dichtes Dach, unter dem man trocken bleibt. Der Geruch nach nassem Laub und Erde ist intensiver als bei Sonnenschein, und der Park gehört einem fast allein.
Wie kommt man von der Innenstadt Catanzaros zur Villa Margherita?
Zu Fuß vom Stadtzentrum sind es etwa zehn Minuten. Der Eingang liegt direkt am Viale De Filippis. Wer mit dem Bus kommt, steigt an der Haltestelle nahe der Piazza Matteotti aus und läuft bergauf – man riecht den Jasmin, bevor man das Tor sieht.
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