Ponte di Gallipoli
Wer einmal in der Altstadt von Gallipoli steht, fragt sich: Wie kommt man überhaupt hier rein? Die alte Inselstadt liegt auf einem Felsblock im Ionischen Meer, und die einzige Verbindung zum Festland ist ein schmaler Übergang, den die meisten im Vorbeigehen als selbstverständlich nehmen. Dabei trägt dieser Übergang fast sieben Jahrhunderte Salzluft, Belagerungsgeschichte und steinerne Geduld in sich.
Geschichte
Ursprünglich führte eine hölzerne Zugbrücke auf die Felseninsel – leicht zu heben, leicht zu verteidigen. Im späten Mittelalter, als der Angevinen-Herrschaft die Sicherheit der Stadt wichtiger war als der freie Verkehr, entstand ein erster massiver Steinbau an dieser Stelle. Das heutige Bauwerk wurde im 16. Jahrhundert unter spanischer Vizekönigschaft tiefgreifend erneuert. In der Hochrenaissance war der Brückenbau kein rein technisches Problem, sondern ein Machtstatement: Wer die Verbindung kontrolliert, kontrolliert die Stadt. Türme flankierten ursprünglich den Eingang.
Erleben
Der Kalkstein, aus dem die Brücke gemauert ist, trägt die Farbe von altem Honig im Abendlicht und wird mittags fast weiß. Fünf Bögen spannen sich über das Wasser, und die Proportionen wirken wuchtiger als erwartet, weil die Bögen niedrig ansetzen und das Meer darunter unruhig bleibt. Geht man langsam über das Pflaster, spürt man die leichte Wölbung der Fahrbahn. Unter den Bögen hindurch sieht man die Felswände der Insel direkt im Wasser stehen.
Insider-Tipp
Die beste Perspektive bekommt man nicht vom Corso Roma, sondern von unten. An der Nordseite führen steinerne Stufen nahe der Hafenmauer bis auf Meereshöhe. Von dort sieht man, wie die Bögen direkt aus dem Fels zu wachsen scheinen. Frühmorgens gegen sieben Uhr trifft das Licht die Ostseite schräg, und das Mauerwerk wirft harte Schatten in die Fugen – dann wird die Tiefe der Steine erst sichtbar. Fischer stehen dort manchmal mit der Angel.
Besuchstipp
Komm kurz vor Sonnenuntergang und geh auf die Brücke selbst – nicht drüber, sondern mitten drauf, und lehn dich über die Brüstung nach Norden. Das Licht fällt dann auf die Stadtmauer der Insel, das Wasser ist dunkelgrün und bewegt sich gegen den Fels. Du siehst, dass Gallipoli wirklich eine Insel ist. Dieser Moment kostet nichts und dauert fünf Minuten.
Häufige Fragen
Ist der Ponte di Gallipoli für Autos gesperrt oder kann man auch mit dem Fahrzeug überqueren?
Der Ponte di Gallipoli ist für den allgemeinen Fahrzeugverkehr zugänglich und verbindet den Corso Roma mit der Altstadt. Allerdings ist die Altstadt selbst weitgehend eine Fußgängerzone, besonders im Sommer, sodass das Überqueren mit dem Auto wenig nützt. Zu Fuß ist die Brücke jederzeit passierbar.
Hat der Ponte di Gallipoli einen direkten Zugang zum Wasser oder zu den Bögen?
Auf der Nordseite der Brücke gibt es über die Hafenpromenade Stufen, die bis fast auf Meereshiveau führen. Von dort kommt man den Bögen nah. Offiziell unter die Bögen gelangt man nicht, aber die Sicht von der Hafenmauer auf die Bogenkonstruktion ist unverbaut und lohnt den kurzen Umweg.
Wann wurde der Ponte di Gallipoli in seiner heutigen Form errichtet und gibt es noch originale Bauteile?
Die heutige Steinbrücke geht auf Arbeiten im 16. Jahrhundert zurück, unter spanischer Herrschaft. Teile des Mauerwerks stammen noch aus dieser Phase, erkennbar an den unregelmäßig behauenen Kalksteinblöcken in den unteren Bereichen der Pfeiler. Spätere Renovierungen im 19. und 20. Jahrhundert haben die Fahrbahn verändert, die Grundstruktur aber weitgehend bewahrt.
Bildnachweise